Technik

Transportbetonindustrie tagte in Essen

Erfolg und Ansporn

Alle zwei Jahre trifft sich die Transportbetonindustrie zur Fachtagung Praxis Transportbeton. Die mittlerweile zehnte Auflage des Kongresses fand am 5. und 6. September 2018 in Essen statt. Veranstaltungsort war das Atlantic Congress Hotel.

250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung des Bundesverbandes Transportbeton (BTB), gefolgt, um sich über aktuelle Projekte des Verbandes und die Entwicklung der Branche zu informieren. Auf dem Programm standen Themen aus den Bereichen Betontechnologie, Umwelt, Marketing, Aus- und Weiterbildung sowie Wirtschaftspolitik.

Rekord und „Neue Perspektiven“

In seiner Eröffnungsrede ging BTB-Präsident Dr. Erwin Kern auf die aktuell gute wirtschaftliche Situation der Branche ein und auf das dazu passende diesjährige Verbandsmotto „Neue Perspektiven“. Im vergangenen Jahr haben die 535 Unternehmen der deutschen Transportbetonindustrie mit ihren 9.650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in rund 1.800 Werken eine Produktion in Höhe von 52 Mio. m³ erzielt. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 5,3 Prozent. Dr. Kern: „Damit setzt sich ein positiver Trend fort: 52 Mio. Kubikmeter ist das höchste Produktionsvolumen, das unsere Industrie seit der Jahrtausendwende erzielt hat.“ Auch der Umsatz hat sich um 6,3 Prozent auf 3,6 Mrd. EUR erhöht. Gleichzeitig, so Dr. Kern weiter, dürfe die Branche aber nicht versucht sein, sich auf dem derzeitigen Erfolg auszuruhen. „So begegnen uns mit der Sicherung unseres Rohstoffbedarfs und den Fragen zur Nachhaltigkeit gleich zwei Herausforderungen, die von zentraler Bedeutung für das langfristige Wohlergehen unserer Industrie sind.“ Auch hier sei es notwendig, diesen mit „neuen Perspektiven“ zu begegnen.

„Rohstoffe für die Transportbetonindustrie – Nachfrage bis 2035“ war dann auch das Thema von Christian Engelke, Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS). Die von ihm vorgestellte Studie des BBS weist selbst bei einer schwachen ökonomischen Entwicklung für das Jahr 2035 einen Rohstoffbedarf von 522 Mio. Tonnen aus. Im „Dynamik-Szenario“ steigt die Rohstoffnachfrage auf 650 Mio. Tonnen. (Zur Einordnung: Dann etwa 100 Mio. Tonnen über der gewonnenen Menge im Jahr 2016, aber deutlich unterhalb der Nachfrage der 1990er-Jahre, z.B. 1995: 770 Mio. Tonnen.)

Einsparen lassen sich Materialmengen zum Beispiel mit topologischen Optimierungsmethoden. Dies verdeutlichte Prof. Dr. Peter Mark, Ruhr-Universität Bochum, in seinem Vortrag „zur Leichtigkeit im Betonbau“.

Taggungsbesucher
Dr. Erwin Kern, Präsident des Bundesverbandes Transportbeton, eröffnet die Fachtagung Praxis Transportbeton 2018 in Essen.

Marktperspektiven

Der Straßenbau und das Thema BIM (Building Information Modeling) standen im Fokus des „Marketing-Blocks“ der Veranstaltung. Ulrich Nolting und Martin Peck (beide InformationsZentrum Beton) beschäftigten sich in ihren Vorträgen mit aktuellen und künftigen Anwendungen und Bauverfahren im Straßenbau sowie den Perspektiven der Branche, dort künftig weitere Marktanteile zu gewinnen. Siegfried Wernik, DhochN Digital Engineering GmbH, entwarf in seinem Vortrag unter dem Stichwort „Transportbeton 4.0.“ die Vision künftiger modellbasierter Prozesse in der Bauwirtschaft.

Concrete Sustainability Council (CSC)

Der Bundesverband Transportbeton ist Systembetreiber des Concrete Sustainability Council in Deutschland. Das CSC ist ein Zertifizierungssystem, das im Bereich Beton, Zement und Gesteinskörnung Aufschluss darüber geben soll, inwieweit ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortlich operiert wird. In den Vorträgen der Veranstaltung stellte Andreas Tuan Phan, Bundesverband Transportbeton, die Grundzüge des CSC-Systems vor. Johannes Kreißig, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), zeigte den Rahmen vom „Responsible Sourcing bis zur Circular Economy“ auf, in welchem sich auch das CSC bewegt. Dr. Christian Artelt, HeidelbergCement AG, stellte die praktischen Abläufe eines erfolgreichen Zertifizierungsprozesses in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die inzwischen bereits allein in Deutschland 34. erfolgreiche CSC-Zertifizierung konnte im Anschluss BTB-Hauptgeschäftsführer Dr. Olaf Aßbrock verkünden und ein Zertifikat formell an Dr. Eberhard Liebig, Holcim (Deutschland) GmbH, übergeben. Das Holcim-Zementwerk in Beckum hatte im Juli dieses Jahres das CSC-Zertifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen.

Forschung und Arbeitssicherheit

Die „Perspektiven durch industrielle Gemeinschaftsforschung“ und das Thema „Arbeitssicherheit“ bildeten am zweiten Tag die Vortragsschwerpunkte der Veranstaltung. Raymund Böing, Leiter des Forschungsbeirates der Forschungsgemeinschaft Transportbeton (FTB), moderierte die Beiträge im „Forschungsblock“. Prof. Ludger Lohaus, Leibniz Universität Hannover, referierte zur „Sedimentationsstabilität von Frischbeton“ und erläuterte diesbezügliche Einflüsse und Prüfverfahren. Die positiven Ergebnisse einer Langzeitstudie über eine Teststrecke aus dem Baustoff Dränbeton stellte Paul Vogel, als Leiter der FTB-Betreuungsgruppe „Dränbeton“, vor. Prof. Wolfgang Breit, TU Kaiserslautern, setzte sich mit dem Thema R-Beton auseinander und stellte verschiedene Forschungsvorhaben vor, die dazu beitragen sollen, rezyklierten Beton als „Werkstoff der nächsten Generation“ zu etablieren.

Seit Mai 2016 hat der Bundesverband Transportbeton sein Engagement in der Arbeitssicherheit formell in einer Kooperationsvereinbarung mit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) dokumentiert. Die Kooperationsvereinbarung ist Teil der Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten“ der BG RCI. Ziel ist es, die Arbeitswelt so zu gestalten, dass niemand zu Schaden kommt. Wolfgang Pichl, stellvertretender Leiter Prävention der BG RCI, zog eine Zwischenbilanz über diese Initiative; Ulrich Kretschmer, BG RCI, stellte ein neues wichtiges Werkzeug zur weiteren Verbesserung der Arbeitssicherheit vor: die Branchenregel Transportbeton. Neu ist auch die Internetseite „sicher-arbeiten-mit-beton.de“, mit welcher der Bundesverband Transportbeton ein Branchenportal zum Thema Arbeitssicherheit geschaffen hat. Thomas Hoffmann, BTB, stellte die neue Seite in Essen vor.

Fachausstellung, Seminare und ein Architektur-Forum

Begleitet wurde „Praxis Transportbeton“ von einer Fachausstellung, in der 30 Unternehmen benachbarter Branchen neue Produkte und Dienstleistungen für die Transportbetonindustrie präsentierten. In zwei Seminaren konnten sich die Kongress-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zu den Themen „Aus- und Weiterbildung“ sowie „Betonpumpen“ informieren. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein in Kooperation mit dem InformationsZentrum Beton organisiertes Architekturforum.

Im kommenden Jahr trifft sich die Transportbetonindustrie zu den Transportbeton-Tagen 2019 in Leipzig. Praxis Transportbeton steht im Jahr 2020 wieder auf dem Programm. Veranstaltungsort wird dann Mannheim sein.

Hubert Rinnert, Leiter BTB-Arbeitsgruppe „Arbeitssicherheit“, Ulrich Kretschmer, Thomas Hoffmann und Wolfgang Pichl.
Von links: Moderiert von Hubert Rinnert, Leiter BTB-Arbeitsgruppe „Arbeitssicherheit“ referierten Ulrich Kretschmer, Thomas Hoffmann und Wolfgang Pichl. // Fotos: (© BTB/Thomas Götz)
 
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