Industrienachrichten

Rohstoff-Engpässe im Straßen- und Wohnungsbau

Die Lage ist angespannt

Kies, Sand, Splitt und Natursteine sind heimische Rohstoffe, die für den Straßen- und Wohnungsbau dringend benötigt werden. Die Nachfrage steigt, doch viele Gewinnungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen sehen sich mit drohenden Lieferengpässen konfrontiert.

Vor allem Sand, Kies, Splitt und Natursteine werden hier gewonnen und decken in erster Linie den Bedarf der Bauindustrie. Die Rohstoffe werden für den öffentlichen Hoch-, Tief-, Straßen- und Wohnungsbau benötigt sowie in weiteren Industrien eingesetzt.

In NRW vertritt vero rund 152 Unternehmen und Werke der Bau- und Rohstoffindustrie. Etwa die Hälfte davon sind Sand- und Kieswerke. Der Bedarf an Rohstoffen, die diese Unternehmen produzieren müssen, um den Bedarf zu decken, steigt. Das Problem ist heute schon sichtbar. Viele Fahrbahndecken sind in einem schlechten Zustand, vielerorts sind Straßen- und Brückensanierungen längst überfällig und auf den Autobahnen nehmen die Dauer-Baustellen zu. Die Folge: überall lange Staus. Die Landesregierung in NRW hat angekündigt, viele Sanierungsprojekte umzusetzen, denn der Sanierungsbedarf ist hoch. „Nur: Der steigende Bedarf an Bau- und Rohstoffen, der dadurch entsteht, muss auch gedeckt werden können“, so Christian Strunk, vero-Präsident. „Dass die Unternehmen diesen künftigen Bedarf decken können, ist ungewiss“, erläutert er.

Straßensanierungen und Bauprojekte sind gefährdet

Insgesamt wird es für die Unternehmen der Bau- und Rohstoffindustrie immer schwieriger, die Gewinnung der Rohstoffe aufrecht zu erhalten, um den Bedarf zu decken. Das liegt vor allem an drei Faktoren:

1: Gesetzliche Rahmenbedingungen und Genehmigungen

Es gibt keine Regelung zu vereinfachten Genehmigungsverfahren, es besteht ein erhöhter Prüfungsumfang durch Erlasse und auch die personelle Situation bei den Behörden sorgt für lange Bearbeitungszeiten.

2: Hohe Umweltauflagen

Die Rohstoffgewinnung unterliegt hohen Umweltauflagen (Wasserschutz, Bodenschutz, Artenschutz, Naturschutz, Immissionsschutz, Gewässerschutz). Diese Auflagen sind in den Ländern unterschiedlich geregelt. Eine einheitliche Regelung des Bundes (oder der EU) gibt es nur in Form einer Rahmengesetzgebung. NRW hat diese auf Landesebene noch verschärft.

3: Flächenkonkurrenz

Verfügbare Flächen sind rar und stehen im Wettbewerb mit Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Besiedelungsplänen.

Versorgungssicherheit und Verantwortung als Botschaft

Raimo Benger, vero-Hauptgeschäftsführer betont: „Bei anstehenden Neuaufstellungen der Regionalplanung muss daher die ausreichende Versorgung mit heimischen Rohstoffen stärker beachtet werden. Wir fordern eine schnellstmögliche Genehmigung von Flächen für die Sicherung der Rohstoffgewinnung. Dies gilt insbesondere von aktuell ins Stocken geratenen Verfahren.“ Außerdem müsse es in Sachen Umweltauflagen eine Vereinheitlichung der Regelungen geben, führt er weiter aus. „Diese Auflagen sind sinnvoll, müssen aber im Einzelfall geprüft und gegeneinander abgewogen werden. Momentan sind Wasserschutzgebiete und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) faktisch tabu für die Rohstoffgewinnung. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf“, so Benger.

Deckung des Bedarfs an Gesteinskörnungen (in Mio. Tonnen pro Jahr).
Deckung des Bedarfs an Gesteinskörnungen (in Mio. Tonnen pro Jahr; Grafik: vero).
 
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